Vorhang auf: Wo beginnt die Malerei und wo endet sie?

Die Ausstellung ABSORBER zeigt Malereien aus dem Blickwinkel optischer und mechanischer Prozesse. Für die Ausstellung im FANG entstanden eine Fenster-Installation und eine raumgreifende, teils begehbare Arbeit, die das Prinzip der Farbspiegelung aufgreifen.

Ausstellungstext von Undine Rietz

Wo beginnt die Malerei und wo endet sie? In der Theorie handelt es sich bei den Arbeiten des Künstlers Evij um Malereien, jedoch ohne, dass ein offensichtlicher Pinselstrich, eine malerische Haptik, zu erkennen ist. Die Malereien verbergen sich hinter Handwerk, Experiment und Form und spiegeln sich in der Praxis durch Material und Licht. Der Begriff „Absorption“ findet in den Wissenschaftsbereichen Chemie, Physik, Mathematik und Logik Verwendung. Betrachtet man die Werkreihen des Künstlers, so lassen sich die Auswirkungen des Absorbierens jedoch am ehesten aus einem physikalischen Kontext heraus erklären.

Die Ausstellung ABSORBER zeigt Malereien aus dem Blickwinkel optischer und mechanischer Prozesse. Die Werkserie „Diabolo“ leitet sich begrifflich von der Bezeichnung für die Projektile der Luftpistole ab, die Evij als Werkzeug zur Bildkonfiguration nutzt. Aus einer Entfernung – abhängig von Größe und Material zwischen 1,5 und 3 m – zielt der Künstler auf eine quadratische, verhältnismäßig kleine Grundfläche. Das beschossene Material – eine mit Ölfarbe beschichtete Leinwand – zeigt das Moment des Einschlags, der in malerischer Weise konserviert wird. Hier tritt ganz offensichtlich die physikalische Gesetzmäßigkeit, von welcher sich der Ausstellungstitel ableitet hervor: die Projektile werden aufgenommen – absorbiert – und ihr Aufprall als Welle festgehalten. Diesem determinierten mechanischen Prozess steht der Zufall gegenüber. Trotz Übung in der Nutzung einer Luftpistole erschafft Evij das Endprodukt im Rahmen eines einkalkulierten Fehlerpotentials. Die abstrakte Malerei der „Diabolo“-Serie, als Produkt einer konzept-künstlerischen Herangehensweise, vereint schließlich eine enorme Brutalität mit banaler Zerbrechlichkeit.

Von experimenteller Natur und physikalischen Beobachtungen im Bereich der Optik leitet sich auch die Werkserie „Diffusor“ ab. Eine weiße Grundfläche aus Alu-Verbundplatten oder Holz bildet die Basis dieses optischen Experiments. Nach dualem Prinzip werden die Diffusor-Arbeiten einseitig mit variierenden Grundfarben versehen. Den farbigen Flächen stehen stets strahlend Weiße gegenüber. Durch eine intensive Lichteinstrahlung – natürlicher wie künstlicher Quellen – gewinnt das Objekt an Eigendynamik. Die Grundfarben werden auf dem weißen Grund reflektiert und die ursprünglich harten Farbkanten verbinden sich zu einem weichen Farbverlauf.

Des Weiteren lässt sich das Spektrum des Diffusor-Serie auch auf raumspezifische Installationen erweitern. Diese stehen jeweils in unbedingter Abhängigkeit zum Ausstellungsort. Für die Ausstellung ABSORBER im FANG entstanden eine Fenster-Installation und eine raumgreifende, teils begehbare Arbeit, die das Prinzip der Farbspiegelung aufgreifen. Die Gesetzmäßigkeiten der Optik und die geraden Formen, welche der Präzision des Handwerks geschuldet sind, verlieren sich schließlich in einer sinnlichen Wahrnehmung, die mithin, befreit vom Inhalt, die Form und das Experiment der gezeigten Malereien in den Fokus rücken.

Vernissage: Thu 27-Jun-2019 19:00h
Ausstellungszeitraum:
27.06 – 07.07.19
Öffnungszeiten:
Di & Do von 9 bis 18 Uhr
Mi & Fr von 9 bis 16 Uhr
Sa & So von 13 bis 17 Uhr
und nach Vereinbarung
Ausstellungsraum: FANG-Studio
Adresse:

FANG-Studio
Oststraße 6
04317 Leipzig

KuratorIn: Antje Schaper, Paul Altmann

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